Sicherheit im Dressursport: Isabell Werth reitet erstmals mit Helm

Isabell Werth mit ihrem goldglänzenden Uvex-Dressurhelm. Foto: Julia Rau

Beim Frankfurter Festhallenturnier ist Isabell Werth erstmals mit ihrem neuen Uvex-Helm geritten – und zog sogleich alle Aufmerksamkeit auf sich. Auf Kopfschutz möchte sie ab sofort nicht mehr verzichten – und sieht sich als Vorreiterin und Vorbild für mehr Sicherheit im Dressursport.

Publikum und Kollegen staunten nicht schlecht, als sich Isabell Werth beim heutigen Nürnberger Burgpokal – einer Dressurprüfung der Klasse S – mit goldglänzendem Helm einritt (und die Prüfung im Übrigen auf Platz zwei hinter Siegerin Carola Koppelmann beendete). Es war eine bemerkenswerte Weltpremiere, die man da beim Frankfurter Festhallenturnier erleben durfte – und sie lenkt die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf ein Thema, das lange Jahre sträflich vernachlässigt wurde: die Sicherheit im Reitsport und im Besonderen in der Dressur, wo das Tragen von Helmen nach wie vor die große Ausnahme ist.

Isabell Werth will bewußt mit gutem Beispiel vorangehen und möchte ihren Bekanntheitsgrad nutzen, um auf dieses wichtige Thema aufmerksam zu machen: „Als Athletin im Mittelpunkt der Öffentlichkeit, aber auch in meiner Verantwortung als Mutter sowie für meine Mitarbeiter, in der ich stehe, sehe ich dies als Verpflichtung im Sinne von Unfallprophylaxe an.“

Insbesondere in der Dressurdisziplin, wo Helmtragen noch fast ein Tabu sei und selbst im Wettkampf  Zylinder ohne jede Schutzfunktion getragen würden, bestünde Handlungsbedarf, so Werth. Sie entschied sich für die Firma uvex als Helmausrüster und unterzeichnete einen mehrjährigen Vertrag beim Fürther Reithelmhersteller. „Die hohen Sicherheitsstandards der uvex Reithelme, der Komfort, die optimale Belüftung und auch die zur Dressurdisziplin passende klassisch-edle Optik haben mich vollkommen überzeugt“.

Der Helm mit der auffallenden Optik wurde speziell für den Dressursport entwickelt  – Werth trägt ihn vorerst exclusiv. Offiziell wird er erst bei der kommenden Reitmesse SPOGA horse im Februar 2012 präsentiert und anschließend im Frühjahr in den Handel kommen, so uvex in einer Pressemitteilung.

Steffen Peters war der einzige Dressurreiter, der bei den WEG in Kentucky 2010 mit Helm ritt. Foto: Julia Rau Sicherheitshelme im Dressursport – eine Chronologie

Dass dieses Thema überhaupt derartige Publicity erhält, ist einem traurigen Anlass geschuldet: Im März 2010 zog sich die US-Dressurreiterin Courtney King-Dye bei einem Trainingsunfall schwere Kopfverletzungen zu. King-Dye hatte keinen Helm getragen, lag einen Monat lang im Koma und kämpft bis heute mit den Folgen dieses Unfalls (Pferdplus hatte darüber berichtet). Im Juni 2010 befasste sich auch das FEI Dressurkomitee mit dem Thema und sprach eine nachdrückliche Empfehlung dafür aus, dass sämtliche Reiter auf internationalen Dressurturnieren sowohl am Abreiteplatz als auch beim Training einen Sicherheitshelm tragen sollten.

Bei der Hauptversammlung der United States Equestrian Federation (USEF) im Jänner 2011 beschloss man daraufhin eine allgemeine Helmpflicht für alle Dressurreiter unter 18 Jahren auf nationalen Dressurturnieren, die am 1. März 2011 in Kraft trat – gleich, auf welchem Niveau sie reiten (also auch bei Prüfungen auf FEI-Niveau – siehe unsere Bericht dazu). Reiter über 18 Jahren haben bei Prüfungen auf FEI-Niveau weiter die Wahlmöglichkeit zwischen Zylinder und Sicherheitshelm im Bewerb.

Bei ihrer Generalverammlung in Rio de Janeiro (11.–14. November 2011) hat die FEI diese Regelung weitgehend übernommen und beschlossen, dass ab 1. Jänner 2012 in FEI-Dressurprüfungen alle Reiter, die 18 Jahre und jünger sind, einen Helm tragen müssen. Ebenso wird der Helm Pflicht für Reiter, die auf 6-jährigen und jüngeren Pferden sitzen (Artikel 427.1). Auf Antrag des Medizinischen Komitees wurde von der Generalversammlung außerdem eine allgemeine Helmpflicht bei FEI-Turnieren ab dem 1. Jänner 2013 beschlossen.

Bleibt zu hoffen, dass weitere nationale Verbände dem Beispiel der USEF folgen und auch auf nationalen Dressurprüfungen das Tragen von Helmen vorschreiben – und Helme schon in absehbarer Zeit nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel sind...

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