Spanische Hofreitschule: 2011 erstmals in der Gewinnzone
Nach einem operativen Verlust im Jahr 2010 von 950.000,– Euro soll die Spanische Hofreitschule 2011 erstmals schwarze Zahlen schreiben – dies bestätigten die Geschäftsführer Elisabeth Gürtler und Erwin Klissenbauer heute bei einer Pressekonferenz.
Am 1. Dezember 2007 haben Sacher-Chefin Elisabeth Gürtler als Generaldirektorin und Wirtschaftsdirektor Erwin Klissenbauer ihre Positionen bei der Spanischen Hofreitschule Wien angetreten. Eine gewaltige Herausforderung, denn das im Staatsbesitz befindliche Unternehmen schrieb damals gemeinsam mit dem Staatsgestüt Piber und dem Sommerquartier Heldenberg im Jahr 2,65 Millionen Euro Minus. Nur drei Jahre später zogen die beiden Verantwortlichen eine positive Bilanz. „Ohne Ascheregen und der seitens des US-amerikanischen Veranstalters wegen der Wirtschaftskrise abgesagten USA-Tournee hätten wir 2010 schon eine schwarze Null in der Bilanz geschrieben,“ so Elisabeth Gürtler, „Die USA-Tournee hätte uns 900.000 Euro zusätzlicher Einnahmen eingebracht. Aber nun gehen wir davon aus, dass wir 2011 endgültig schwarze Zahlen schreiben.“
Viele Faktoren haben hierzu beigetragen, so Gürtler und Klissenbauer, allen voran eine veränderte Gehaltsstruktur bei den 16 Bereiteranwärtern, Bereitern und Oberbereitern der Reitschule, die sich insbesondere bei den Tourneen bemerkbar macht: „Zuvor haben wir aufgrund der hohen Extra-Tourneegehälter bei den Tourneen kein Plus erzielt, nun verdienen wir mit den Tourneen. In Zukunft sollen es mehrere kleinere Tourneen pro Jahr werden, damit eine Absage wie 2010 seitens der USA nicht mehr so ins Gewicht fällt." Bereits vom 10. bis 13. Februar wird die Spanische in Paris gastieren. Verhandlungen laufen derzeit über ein großes Gastspiel in Moskau anlässlich des Besuches des österreichischen Bundespräsidenten Heinz Fischer Mitte Mai. „Dies wäre die erste Tournee nach Russland und würde dort sicherlich nicht nur von touristischer Seite das Interesse fördern, sondern sich auch positiv auf den Absatzmarkt Russland für unsere Zuchtprodukte aus Piber auswirken.“
Weitere Auftritte für 2011 sind im französischen Saumur (Juni), bei den Musikfestspielen Saar in Saarbrücken (Ende Juni) und für den Spätherbst in Brüssel, London und Basel geplant. Diese Aufführungen sollen in Zukunft von einem Live-Orchester statt von Tonbandmusik begleitet werden und der ehemalige Ballettchef des Wiener Staatsopernballets Renato Zanella arbeitet an Balletteinlagen für die Aufführungen. Ein Film, der während der Moderation der Aufführungen laufen wird, soll zudem die Atmosphäre der Winterreitschule auch bei den Tourneen vermitteln und die Sehenswürdigkeiten Wiens präsentieren. Für 2012 und 2013 sind Tourneen nach Qatar und Las Vegas bzw. Arles in Südfrankreich in Planung.
An einer zweiten Pferde-Equipe für die Vorführungen wird seit 2008 gearbeitet. Der Bestand der Hengste wurde mit dem Ausbau des Sommerquartiers in Heldenberg zu einer winterfesten Reitanlage mit achtzig Boxen und einer Reithalle von 72 auf einhundert erhöht, von denen sich 30 in einem rotierenden System samt zweier Bereiter und zweier Eleven in Heldenberg befinden. In Zukunft sollen dort Seminare und Kurse für weitere Einnahmen sorgen. Außerdem werden dort zukünftig alle in Piper gezüchteten und positiv gemusterten Junghengste, also zwischen acht bis zwölf pro Jahr, zur Ausbildung vierjährig aufgenommen werden, auch, wenn später nicht alle von ihnen für die Schule übernommen werden. „Der Verkaufswert der von den Bereitern der Spanischen Hofreitschule ausgebildeten Hengste ist beim Verkauf höher als der in Piper ausgebildeten. Dadurch werden wir zukünftig höhere Einnahmen beim Pferdeverkauf haben,“ so Elisabeth Gürtler, die in ihrer aktiven Zeit selbst österreichische Vize-Staatsmeisterin in der Dressur war und vor allem von den Bereitern und Oberbereitern der Spanischen Dressurunterricht erhielt, so auch von Ernst Bachinger, der sie später als Direktor der Reitschule für ihre heutige Funktion als Generaldirektorin der Spanischen vorgeschlagen hat.
Zusätzliche Einnahmen ergeben sich aus Sponsoraktivitäten, Eigenveranstaltungen wie die beiden Fundraising-Galas und dem Ball ,Fête Imperiale' im vergangenen Jahr, der Vermietung der Räumlichkeiten inklusive der Winterreitschule in der Hofburg für Bälle und für andere Veranstaltungen. Positiv auf die Bilanz wirkt sich auch die Führung des Shops in eigener Regie aus, außerdem wurde auf rechtlichem Wege erzwungen, dass niemand auf dem Namen der Spanischen ‚reiten’ kann, ohne hierzu autorisiert zu sein: „Mittlerweile haben wir auch Einnahmen durch Lizenzvergaben.“ Zudem wurde die Zahl der Aufführungen von rund 30 auf 75 pro Jahr erhöht und die Morgenarbeit kann nun auch im Januar und August besucht werden, was ebenfalls zusätzliche Einnahmequellen erschließt. Aber auch in puncto Tiergesundheit ziehen die beiden Direktoren eine positive Bilanz ihrer ersten drei Jahre, „Wir haben Europas größte Führanlage installiert, wobei die Pferde bei ihr nicht mehr im Kreis laufen, was die Pferdebeine schont, und wir haben den Boden in der Winterreitschule und im Ausbildungszentrum Heldenberg rundum erneuert und auf den neusten Standard gebracht, was sich ebenfalls günstig auf die Pferdebeine auswirkt. Dass der 1. Bezirk nicht der geeignetste Ort zur Pferdehaltung ist, ist uns natürlich bewusst. Durch das Rotationssystem kommen die Hengste nun nicht mehr nur im Sommer auf Urlaub nach Heldenberg, sondern das ganze Jahr über und werden dort im Wald ausgeritten.“ Im Laufe des Jahres soll in Piber auch die Biogasanlage in Betrieb genommen werden, die nicht nur auf umweltfreundliche Weise den Pferdemist beseitigt, sondern auch das Schloss kostengünstig beheizt und Einnahmen aus der Stromgewinnung erbringt.
Birgit Popp/Pferdplus
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