Studie an der VMU Wien: Pferde im Lernstress

 Die Staatsprämienstute Poetin III (von Sandro Hit-Brentano), unter Reiter Christian Flamm vom Brandenburgischen Haupt- und Landgestüt Neustadt Dosse, hat ebenfalls an dieser Studie teilgenommen.( Foto: Björn Schroeder)

An der Veterinärmedizinischen Universität Wien wurde untersucht, wieviel Stress jungen Pferden verursacht wird, wenn sie angeritten werden. Die Ergebnisse sind wenig überraschend – speziell zu Beginn des Trainings steigt der Stresspegel erheblich.

Pferde sind in verschiedensten Situationen – zum Beispiel bei Wettbewerben, Transporten oder auch tierärztlichen Untersuchungen – z. T. erheblichem Stress ausgesetzt – dies weiß man aus div. Studien. Anhaltender Stress kann – ebenso wie beim Menschen – auch bei Pferden zu schweren Erkrankungen führen – von der Schwächung des Immunsystems über Hufrehe, Koliken und Entzündung bis zu Magengeschwüren und Krebs.

Nun wurde erstmals untersucht, welchem Stress junge Pferde beim Anreiten ausgesetzt sind. Alice Schmidt aus der Gruppe von Prof. Christine Aurich hat an der Veterinärmedizinischen Universität Wien und am Graf-Lehndorff-Institut für Pferdewissenschaften in Neustadt Dosse eine Studie durchgeführt, bei der 3-jährige Pferde bei ihren ersten Trainingseinheiten begleitet und untersucht wurden. Beobachtet und gemessen wurde das Stressniveau durch die Herzschläge und die Mengen des Stresshormons Cortisol im Speichel.

Großer Stress beim Beginn des Trainings

Was die Studie zeigt ist nicht sehr überraschend. Am Beginn des Trainings stehen die Pferde unter großem Stress – die Anfänge an der Longe sind noch eher gering stressbehaftet, sobald aber der Reiter aufs Pferd steigt, hebt sich der Stresspegel rapide. Das Herz schlägt schneller, die Intervalle zwischen den Herzschlägen variieren, Cortisol wird ausgeschüttet. Nicht nur, das das Aufsitzen des Reiters für das Pferd so ähnlich wirkt wie eine Raubtierattacke, ist der Reiter damit auch noch aus dem Blickfeld des Pferdes verschwunden.

Aber auch ein schnelles Absinken des Stressniveaus war zu beobachten – nämlich dann wenn das Pferd mit dem Reiter geht oder trabt. Das Pferd konnte sich offensichtlich sehr schnell darauf einstellen, geritten zu werden, wobei die Bewegung diesen Prozess sicherlich unterstützt. Weiters konnte gesehen werden, dass der Stress auch über die Anzahl der gesamten Trainingseinheiten gesunken ist – natürlich vorausgesetzt die Arbeit mit dem Pferd wird korrekt durchgeführt. Prof. Christine Aurich mahnt daher zur Vorsicht: Mangelnde Sorgfalt oder falscher Umgang im frühen Training können einen langfristigen Schaden in der Beziehung zwischen Pferd und Reiter anrichten und Ängstlichkeit des Tieres verursachen; so kann ein Sportpferd nicht sein höchstes Potential entfalten.

Hier der Link zur Meldung auf der VMU Wien-Website.

Publikations-Nachweis: „Changes in cortisol release and heart rate and heart rate variability during the initial training of three-year-old sport horses“ von Alice Schmidt, Jörg Aurich, Erich Möstl, Jürgen Müller und Christine Aurich wurde in der September-Ausgabe von “Hormones and Behavior” veröffentlicht.


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