Studie: Pferde verletzen sich häufiger auf der Weide als beim Reiten

Ein Großteil der Verletzungen entsteht auf Koppeln und Weiden. Archivfoto: www.stall-happy.ch

Britische Forscher haben untersucht, wo und wie oft sich Pferde verletzen. Das interessante Ergebnis: Verletzungen passieren erheblich häufiger auf Koppeln und Weiden als während des Reitens. Und leider verletzen sich Pferde sehr häufig.

Die britischen Forscher haben für Ihre Untersuchung insgesamt 652 zufällig ausgewählte Pferdebesitzer in Großbritannien befragt, deren Pferde nicht älter als 15 Jahre waren. Die Ergebnisse der Fragebogen-Erhebung waren, wie die Website horsetalk.co.nz berichtet, überaus spannend – z. T. aber auch besorgniserregend.

So zeigte sich, dass nicht weniger als 40 % aller in der Studie erfassten Pferde innerhalb des letzten Jahres eine schwere Verletzung erlitten hatten – ein enorm hoher Prozentsatz, der die Autorin Rosie Owen selbst überraschte: „Man kann fast sagen: Pferde verletzen sich geradezu regelmäßig – viel öfter, als wir alle gedacht hätten!“

Ein weiteres interessantes Detail: Nur 13 % der Verletzungen geschahen während des Reitens – jedoch 62 % auf Koppeln oder Weiden.

Bei 47 % der Verletzungen wurde tierärztliche Hilfe in Anspruch genommen – der Rest wurde von den Besitzern selbst oder von Bekannten und Freunden versorgt.

Pferde, die in einen neuen Stall kommen, verletzen sich deutlich leichter bzw. häufiger, was jedoch durchaus erklärbar ist: Pferde, die neu in eine bestehende Gruppe bzw. in einen neuen Stall kommen, werden von ihren Artgenossen oft mit größeren Aggressionen ,begrüßt‘ und müssen erst ihren Platz in der Herde finden. Diesen Prozess können die Besitzer aber durch verschiedene Maßnahmen entschärfen, so Rosie Owen: „Ein neues Pferd sollte behutsam und schrittweise in die Gruppe eingeführt und am Anfang getrennt aufgestallt werden, sofern dies möglich ist. Auch Schutzgamaschen können in dieser Phase das Verletzungsrisiko senken. Generell sollte man zu häufige Änderungen in der Zusammensetzung einer Gruppe vermeiden.“

Owen fand außerdem heraus, dass die Verletzungshäufigkeit mit der Größe einer Gruppe bzw. Herde steigt – was darauf zurückzuführen sein könnte, dass bei größeren Gruppen die Hierarchie breiter ist und mehrere Pferde um dominante Positionen kämpfen. Kleinere Gruppen wären in dieser Hinsicht also günstiger für das Wohl der Pferde. Das Risiko von Verletzungen kann auch reduziert werden, indem man zusätzliche Fressplätze anbietet – Rangeleien und Kämpfe ums Futter bzw. den besten Futterplatz werden so entschärft.

Zahlreiche Verletzungen können aber durch einfache Vorsichtsmaßnahmen oder schlicht durch erhöhte Aufmerksamkeit vermieden werden. In einem Stall haben hervorstehende Schrauben oder Nägel, Haken oder scharfe Kanten und herumliegende Ausrüstung nichts zu suchen – all das sind Gefahrquellen und häufig Verursacher von Verletzungen, die nicht sein müßten.

Obwohl ein großer Tel der Verletzungen auf Koppeln und Weiden passiert, weiß man relativ wenig über deren genaue Ursachen. Rosie Owen: „Es wäre wichtig, das Verhalten der Pferde auf den Weiden eingehender zu studieren und herauszufinden, ob diese vielen Verletzungen beim Kampf ums Futter, bei Auseinandersetzungen um die Rangordnung entstehen oder andere Ursachen haben.“

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