Stuttgart: Neunter Master-Titel für Isabell Werth – Renate Voglsang Fünfte

Isabell Werth siegte mit El Santo NRW im Grand Prix Special. Foto: Julia Rau

Mit 77,867 % im Grand Prix Special verteidigte Isabell Werth mit El Santo NRW ihren Vorjahres-Titel bei den Meggle German Dressage Masters erfolgreich. Renate Voglsang erreichte mit Fabriano den ausgezeichneten fünften Rang, Victoria Max-Theurer wurde mit Augustin OLD Sechste. Die Kür entschied Ulla Salzgeber für sich.

Als viertletztes Paar waren die Zweiten des Grand Prix Victoria Max-Theurer und Augustin OLD als stärkste Konkurrenten von Isabell Werth und El Santo angetreten, wenn es um deren erfolgreiche Titelverteidigung im Meggle German Dressage Masters ging. Bereits im Vorjahr war die Achleitenerin und ihr elfjähriger Oldenburger Hengst nur knapp der fünffachen Olympiasiegerin unterlegen gewesen. Mit einem sehr ausdrucksstarken, schwungvollen Auftakt, der dem Paar aus Oberösterreich viele Achten einbrachte, schien das Vorhaben German Master-Titel durchaus in greifbarer Nähe, doch bei der ersten Piaffe stieg Augustin levadenartig, was ihm nicht nur viele Punkte für diese Lektion, sondern auch  für den Übergang in und aus der Piaffe und bei den Fußnoten für die Durchlässigkeit kostete. Mit 69,2  Prozent wurde das Paar Sechster. Das Problem mit der ersten Piaffe hatte bei der EM in Rotterdam im August begonnen, damals möglicherweise ausgelöst durch eine riesige, verhüllte, schwenkbare TV-Kamera. Zuvor hatte Victoria Max-Theurer aus gesundheitlichen Gründen pausieren müssen. „Uns sind damals durch meine Erkrankung drei Turniere ausgefallen, leider auch das CHIO Aachen. Vielleicht mangelt uns es auch etwas an Turnierroutine“, so die Reiterin. Dass das Piaffieren für ihn alles andere als ein Problem darstellt, bewies Augustin schon wieder in der zweiten, gut gelungene Piaffe. Sehr gut fiel dann die sehr aktive, gut im Rhythmus befindliche Piaffe auf der abschließenden Mittellinie aus.

Exzellent präsentierten sich Renate Voglsang und Fabriano – sie holten Platz fünf im Special. Foto: Julia Rau Tolle Vorstellung von Renate Voglsang

Völlig zufrieden konnte hingegen Renate Voglsang mit ihren beiden Vorstellungen mit dem Westfalen-Hengst Fabriano sein. Am Vortag im Grand Prix hatte das Paar erstmals international die 70-Prozent-Marke hinter sich gelassen, und das bei einem Fünf-Sterne-Turnier - und waren Siebte geworden. Im Special sollte es für die in Bayern geborene Österreicherin und dem dunkelbraunen Hengst von Florestan I sogar noch besser kommen. Das völlig fehlerfrei gehende, elegante Paar, dessen Trabverstärkungen mit viel Schub und schöner Rahmenerweiterung vorgetragen wurden, kam im Special sogar auf 71,333 Prozent und damit auf Platz fünf. Renate Voglsang ist mit den Stuttgarter Resultaten ihrem Ziel, sich als Einzelreiterin für die Olympischen Spiele 2012 in London zu qualifizieren, einen entscheidenden Schritt nähergekommen. Wenn Victoria Max-Theurer, Peter Gmoser und Renate Voglsang ihrem Land jeweils einen Startplatz als Einzelreiter sichern, dann könnte Österreich sogar in der Mannschaftswertung antreten, ohne bei einem der vorangegangenen Championate als Mannschaft einen Startplatz erworben zu haben.

Neunter Titel für Isabell Werth

Am Samstagabend hatte Isabell Werth noch ihren 17-jährigen Weltmeister und Olympiasieger Satchmo vom Turniersport verabschiedet (siehe unseren Bericht dazu) – am Sonntagvormittag stand die Rheinländerin mit ihrer derzeitigen Nummer eins, dem zehnjährigen El Santo NRW im Grand Prix Special mit 77,867 Prozentpunkten wieder an der Spitze. Mit dem Sieg verteidigte das Paar seinen im Vorjahr erstmals gewonnenen Meggle German Master-Titel erfolgreich, womit sich die Reiterin zugleich ihren neunten Titel sicherte. Isabell Werth war sehr zufrieden mit ihrer Vorstellung, “El Santo ging heute eine super Prüfung, auch in unserer Schwachstelle, den Piaffen, sind wir auf dem richtigen Weg. Nachdem ich ihn zuvor zu stark versammelt hatte, reite ich ‚Erni’ wie bei der EM in Rotterdam angekündigt wieder mehr vorwärts. Es wird noch ein paar Monate dauern, bis die Umstellung gelungen ist, aber in der Preisverleihung hat El Santo gezeigt, dass er sehr wohl piaffieren kann.“
Weniger begeistert zeigte sich Isabell Werth von der neuen Grand Prix Special-Aufgabe, die seit dem 1. Oktober geritten wird und im Vergleich zur alten Aufgabe im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2012 in London verkürzt wurde, „Ich habe den neuen Special heute zum ersten Mal geritten und finde ihn nicht toll. Das Herzstück, in dem man die Pferde strahlen lassen konnte, der Wechsel zwischen Passage und starkem Trab, also zwischen hoher Versammlung und Vorwärtsreiten, wurde herausgenommen, nur um knapp vierzig Sekunden einzusparen. Ob das die Lösung ist? Ich hoffe, wir werden nach den Olympischen Spielen wieder zur alten Aufgabe zurückkehren.“
Platz zwei (73,733) ging an die EM-Team-Dritten von 2007  Monica Theodorescu  und dem 13jährige Fuchswallach Whisper, der sich sehr locker und schwungvoll präsentierte. Auf den Plätzen drei (73,311) und vier (73,044) folgten zwei neunjährige Pferde, die erst ganz am Beginn ihrer internationalen Karriere stehen. Dritte wurde Brigitte Wittig  mit der Breitling W-Tochter Blind Date, Vierter Mannschafts-Olympiasieger Hubertus Schmidt mit dem Ferro-Nachkommen Valentino.

Ulla Salzgeber war mit Herzruf's Erbe in der Kür nicht zu schlagen. Foto: Julia Rau Grand Prix Kür an Ulla Salzgeber

Die Grand Prix Kür gesponsert von der Nürnberger Versicherungsgruppe wurde von den Dritten des diesjährigen Dressur-Weltcup-Finales in Leipzig Ulla Salzgeber und Herzruf’s Erbe wie schon zuvor der Grand Prix auf Weltklasseniveau mit 82,575 Prozentpunkten gewonnen. Die schärfste Konkurrenz erwuchs den Siegern jedoch nicht aus dem eigenen Lager, sondern mit der Italienerin Valerina Truppa und ihrem in Italien gezogenen Wallach Eremo del Castegno (80,175), der mit Rohdiamant x Weltmeyer allerdings vor allem ein Produkt deutscher Pferdezucht ist. Isabell Werth und ihr neunjähriges Grand-Prix-Nachwuchspferd Don Johnson, der die schwierige Choreographie von Isabell Werths Goldkür von Atlanta sehr gut meisterte, kamen mit 79,425 Prozent auf Platz drei. Deutlich verbessert zeigten sich Nadine Capellmann und ihr ebenfalls im Grand Prix noch unerfahrenes Nachwuchspferd Girasol gegenüber dem Grand Prix und belegten Platz vier (74,20). Richtig Gas gaben Victoria Max-Theurer und ihr Westfalenhengst Eichendorff und belegten mit einer flotten Vorstellung zum Udo-Jürgen-Medley Platz fünf (73,825). Ab dem nächsten Jahr wird die Kür in der Schleyer-Halle Weltcup-Status haben, allerdings auf Kosten des Frrankfurter Festhallen-Reitturniers, da es nur zwei Weltcup-Turniere pro Nation geben darf und Neumünster seinen Weltcup-Status beibehalten wird.

Klaus Balkenholf darf sich über den Titel ,Reitmeister‘ freuen! Foto: Julia Rau Ehrung für Klaus Balkenhol

Eine besondere Ehrung gab es für Klaus Balkenhol (71), der für seine Verdienste als Ausbilder von Reitern und Pferden den Reitmeister-Titel von der deutschen FN anlässlich der Siegerehrung der Kür verliehen bekam. Balkenhol, der 1992 und 1996 Olympisches Mannschaftsgold und 1992 zudem Einzelbronze mit Goldstern gewann und von 1996 bis 2000 als deutscher Bundestrainer wirkte, stellte fest, „Ich werde mich nicht auf den Lorbeeren ausruhen, ich bin noch jung genug, um mich weiterhin für die klassische Reiterei und Reitkultur einzusetzen.“
 
Otto-Lörke-Preis für Isabell Werth

Zum zehnten Mal erhielt Isabell Werth als Reiterin den vom Deutschen Olympischen Komitee (DOKR) der Deutschen Reiterlichen Vereinigung e.V. vergebenen Otto-Lörke-Preis für die Ausbildung und Vorstellung eines jungen Grand-Prix-Pferdes. In diesem Jahr ging der Preis an den neunjährigen, im Besitz von Madeleine Winter-Schulze befindlichen Hannoveraner Wallach Don Johnson. Den Preis teilt sich die Rheinbergerin in diesem Jahr mit Kristina Sprehe und dem zehnjährigen Hannoveraner Hengst Desperados. In diesem Fall erhielten die Auszeichnung Kristina Sprehe, Jürgen Koschel, Falk Rosenbauer und das Gestüt Sprehe.
Birgit Popp/Pferdplus

Alle Ergebnisse gibt's unter http://stuttgart-german-masters.de

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