Subkultur voller Widersprüche: Die Pony Kids von Smithfield

Der Pferdemarkt von Smithfield ist auch Treffpunkt der Pony Kids (Foto: Spiegel Online)

Seit dem Jahr 1664 findet auf dem Smithfield in Dublin jeden Sonntag ein Pferdemarkt statt – und hier treffen sich auch die sogenannten Pony Kids, Ghettokinder aus armen Familien, die statt mit Mopeds mit ihren Ponys durch die Metropole Dublin jagen.

Wer Sonntags in Dublin spazieren geht und dabei in die Nähe des Smithfields gerät, der könnte leicht unter die Hufe eines wild galoppierenden Pferdes geraten. Denn der traditionelle Pferdemarkt, der hier bereits seit 1664 veranstaltet wird, ist ihr Treffpunkt und ihr Lebensraum: Hier kommen sie zusammen, treffen Freunde und reiten ohne Sattel um die Wette, und das alles mitten im pulsierenden Herz von Dublin: Die sogenannten Pony Kids auf dem Smithfield bilden eine seltsame, chaotische, teils auch erschütternde Subkultur, die sich seit den späten Achtziger Jahren in der irischen Metropole gebildet hat. Meist sind es Kids aus armen Verhältnissen, häufig ohne Job und Perspektive, die sich für billiges Geld Ponys kaufen, sich auf dem Rücken der Pferde über alle Regeln und Konventionen hinwegsetzen und ihren Traum von Freiheit und Unabhängigkeit leben.

Im Visier der Behörden
Das wilde Treiben der Pony Kids geriet Anfang der 90er Jahre nicht nur ins Visier von Tierschützern, sondern auch der irischen Regierung – denn allzu oft wurden die Pferde Opfer von Vernachlässigung und Verwahrlosung, sie wurden freilaufend in Dublin eingefangen oder halb verhungert und todkrank Tierschutzorganisationen übergeben. Das Gesetz zur Kontrolle der Pferdehaltung (Control of Horses Act) wurde in ganz Irland kontrovers diskutiert – die Pony Kids standen plötzlich im Rampenlicht der Öffentlichkeit, irische Medien stilisierten sie zu ,urbanen Cowboys‘ – sahen dabei aber oft über das Leiden der Pferde hinweg.

Dramatische Konsequenzen

Als das Gesetz schließlich beschlossen wurde, hatte es dramatische Konsequenzen für die Pony Kids – viele versteckten ihre Pferde im Straßengraben oder auf Mülldeponien. Um ihren Kindern eine Perspektive jenseits von Diebstahl und Drogen zu ermöglichen, entschlossen sich verzweifelte Eltern zu einer spektakulären Protestaktion – sie drangen am 5. Februar 1998 mit mehreren Ponys ins irische Unterhaus ein, um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. Mit Erfolg – das Gesetz wurde nachgebessert, die Regierung sagte zudem finanzielle Unterstützung zu, im Rahmen eines Architekturwettbewerbes wurde auch das altehrwürdige Smithfield-Gelände neugestaltet.

Dieser Umbau ist mittlerweile vollendet – doch die Pony Kids sind immer noch da, die Stadt-Cowboys von Dublin, die sich jeden Sonntag am Smithfield-Horsemarket treffen und mit ihren gescheckten Ponys um die Wette jagen. Der Stadtverwaltung und Tierschützern sind sie immer noch ein Dorn im Auge – und geht es nach dem Willen der Stadtverwaltung, soll der Smithfield-Markt bald der Vergangenheit angehören. Dann wären wohl auch die Tage der Pony Kids gezählt.

Auf Spiegel-Online ist derzeit ein aktuelles Video der Pony-Kids vom Smithfield zu sehen – einen wunderbaren Artikel der Journalistin Ulrike Pollay zum Thema finden Sie hier. Ulrike Pollay hat außerdem – gemeinsam mit Seanie Coleman – einen Bildband „Piebalds & Pony Kids“, erschienen in der cant edition verlagsbuchhandlung, verfasst, dieser kostet 24,– Euro und ist im Buchhandel erhältlich.

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