Umfrage: Misshandlung von Tieren schreckt Touristen ab
Eine Umfrage unter britischen Erwachsenen zeigte ein hohes Bewußtsein für Tierschutz auch während des Urlaubs: 52 % gaben an, dass die schlechte Behandlung von Tieren für sie ein Grund wäre, ein Land nicht mehr zu besuchen.
Die Umfrage, die von der britschen Tierschutzorganisation SPANA (Society for the Protection of Animals Abroad) in Auftrag gegeben wurde, hat durchaus interessante – und nicht immer erfreuliche – Fakten über die Zusammenhänge von Tourismus und Tierschutz ans Licht gebracht. So gaben 22 % der Befragten an, dass sie bei ihren Urlaubsaufenthalten im Ausland die Mißhandlung von Tieren wahrgenommen haben – die meisten davon (71 %) standen direkt mit der Tourismusindustrie in Verbindung: Meist sind es Kamele, Pferde oder Esel, die Touristen zu Sehenswürdigkeiten bringen oder die als Tragtiere bei Safaris oder Trails eingesetzt werden. In vielen Städten Nordafrikas oder des Nahen Ostens werden Pferde oder Esel als Zugtiere für Kutschen eingesetzt, die Touristen von einer Attraktion zur nächsten bringen – und oft genug werden diese Tiere schlecht ernährt und gepflegt und häufig auch geschlagen und mißhandelt.
28 % der Befragten gaben an, bei ihrem Auslandsurlaub Aktivitäten unternommen zu haben, die direkt mit Tieren in Verbindung standen (etwa ein Ritt auf einem Kamel oder eine Kutschenfahrt) – und dass der Zustand der dabei eingesetzten Tiere besorgniserregend war.
Während das Bewußtsein für Tierschutz auch während des Urlaubs hoch ist und die schlechte Behandlung von Tieren sehr deutlich wahrgenommen wird, ist nur ein kleiner Teil bereit, dieser Wahrnehmung auch konkrete Handlungen folgen zu lassen: 77 % gaben an, dass sie keinerlei Versuch unternommen hatten, die beobachteten Mißstände in der Haltung bzw. Behandlung von Tieren zu melden.
Genau an diesem Punkt möchte SPANA ansetzen: Die Organisation möchte nicht nur das Bewußtsein für Tierschutz in fremden Ländern fördern, sondern auch Touristen dazu ermutigen, etwas gegen Missstände, die man während seines Urlaubs beobachet hat, zu tun. SPANA hat aus diesem Grund eine Broschüre mit Richtlinien für die ethische und faire Behandlung von Tieren im Tourismus herausgegeben – mit wichtigen Kriterien, an denen auch Laien schlecht behandelte oder unzureichend gepflegte Tiere erkennen können (Fütterungszustand, äußere Wunden, Druckstellen in der Sattellage etc.). Die Broschüre enthält außerdem die wichtigsten Kontaktstellen, denen man Tiermißhandlungen melden kann – die beste Anlaufstelle sind die Tourimusbüros in den jeweiligen Ländern, die derartige Vorwürfe sehr ernst nehmen und auch weitergeben.
Die tierärztliche Beraterin von SPAN meinte: „Wir möchten, dass die Touristen wissen, dass sie eine große wirtschaftliche Macht haben und mit ihrer Kaufkraft eine Verbesserung der Lebensbedingungen von Tieren im Toruismus bewirken können. Sie sollten z. B. nur Anbieter von Touren aussuchen, die ihre Tiere gut und respektvoll behandeln – das spricht sich schnell herum und macht bei anderen Tourveranstaltern Schule.“
SPANA-Geschäftsführer Jeremy Hulme ergänzt: „Wie die Umfrage deutlich zeigt, sind britische Touristen sehr sensibel, was den Tierschutz betrifft. Zu sehen, wie Tiere mißhandelt werden, ist für mehr als die Hälfte aller Befragten ein Grund, nicht mehr in dieses Land zu reisen.“ Das aber sei nicht das eigentliche Ziel von SPANA – denn für viele Einwohner ist der Tourimus ihre einzige Einnahmequelle. Jeremy Hulme weiter: „Wir möchten niemanden davon abhalten, in solche Länder zu fahren, aber die Touristen sollen wissen, dass sie mit der gezielten und verantwortungsbewußten Wahl von Reiseveranstaltern oder Touren-Anbietern für bessere Tierschutz-Standards sorgen können – und dass sie alle Mißhandlungen, die sie während ihres Urlaubs beobachten, beim Tourismusbüro des jeweiligen Landes melden sollen.“
SPANA ist eine international tätige Tierschutzorganisation, die 1923 gegründet wurde und die sich um die medizinische Versorgung von Tieren in den ärmsten Ländern der Welt bemüht. Die Organisation kümmert sich um Pferde, Esel, Maultiere und Kamele in zahlreichen Ländern Nordafrikas sowie Asiens und bietet auch für die Besitzer der Tiere spezielle Trainings- und Ausbildungsprogramme, um deren Wissen und Bewußtsein für artgerechte und verantwortungsvolle Tierhaltung zu fördern.
Welche Zustände SPANA in anderen Ländern entdeckt und wie man versucht, den Tieren zu helfen, zeigt dieses kurze Video am Beispiel des Esels Kadi, der in Bamako – der Hauptstadt von Mali – Müll transportieren musste und dem SPANA helfen konnte ....
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