Vielseitigkeit: Wieder Debatte um Airbag-Westen

Österreichs Vielseitigkeitsreiter – hier Harald Siegl – sind beim Einsatz der Airbag-Weste noch zurückhaltend. (Foto: Julia Rau)

Nach einem Zwischenfall beim CHIO in Aachen, bei dem eine Airbag-Sicherheitsweste ungewollt auslöste, diskutiert man in Military-Kreisen erneut über den Einsatz dieser neuartigen Schutzvorrichtung.

Die renommierte Website buschreiter.de hat den Zwischenfall im Vielseitigkeits-Nationenpreis von Aachen zum Thema gemacht und mit den Beteiligten sowie Experten analysiert. Der deutsche Vielseitigkeitsreiter Kai Rüder musste seinen Ritt abbrechen, nachdem seine Airbag-Weste unbeabsichtigt ausgelöst wurde. Wie es dazu kommen konnte, scheint mittlerweile geklärt – nämlich durch eine „Verkettung unglücklicher Umstände“. Auf Fotos konnte Kai Rüder rekonstruieren, dass er in dem kritischen Moment hoch über dem Pferd saß – und er gab auch zu, die Reißleine an einer ungünstigen Stelle, nämlich am Vordergeschirr, festgemacht zu haben. Deshalb sei die Verbindung zwischen Weste und Sattel zu kurz gewesen – als es den Reiter hoch aus dem Sattel hob, wurde die Airbag-Vorrichtung ausgelöst. Aufgrund der stark eingeschränkten Sicht und Bewegungsmöglichkeiten konnte Rüder seinen Ritt nicht mehr fortsetzen.


Spezielle Befestigung


Rüder hatte, wie sich ebenfalls herausstellte, offenbar auch eine zu kleine Westen-Größe gewählt, was wohl ebenfalls zum frühzeitigen, ungewollten Auslösen beigetragen hat. „Insgesamt eine falsche Handhabung, die man der Weste nicht anlasten kann“, wird Rüder zitiert. Ausrüstungs-Expertin Linda Heising von Horse & Reeder Luhmühlen kommt ebenfalls zu Wort und weist darauf hin, dass unter der Weste "immer eine Handbreit Platz ist, da die Weste nach innen zum Körper auslöst". Es sei sehr wichtig, die Weste ausschließlich am vorgesehenen Sattelverbindungsstück zu befestigen - und dieses sei an den Bügelschlössern anzubringen. So könne ein Unterhaken mit der Hand oder der Gerte verhindert werden. Linda Heising: "Bitte niemals am Vorderzeug wie im Fall Rüder befestigen. Das führt dazu, dass die Reißleine die Hände blockiert und zu kurz wird."


In Deutschland immer beliebter


Airbag-Schutzwesten werden im Militarysport immer beliebter – und zwar bei Profis und Amateuren gleichermaßen. Doch nicht alle sind von der neuen Technologie begeistert – Österreichs Vielseitigkeitsreiter sind vergleichsweise zurückhaltend und schwören überwiegend auf konventionelle Schutzwesten und Protektoren. Zur Skepsis beigetragen hat wohl auch der schwere Sturz von Vielseitigkeitsreiter Pepo Puch, der bei seinem schweren Sturz im August 2008 in Schönefeld eine Airbag-Weste trug und diese mitverantwortlich für seinen Sturz machte. Auch damals hatte die Airbag-Weste unbeabsichtigt ausgelöst.


In der aktuellen Pferdplus-Ausgabe gibt es ein ausführliches Interview mit Pepo Puch, in dem dieser detailliert schildert, wie es zu seinem Unfall kam, welche Rolle die Airbag-Weste dabei spielte – und wieso er vom Gebrauch derartiger Schutzwesten heute abrät: Spannend und lesenswert!

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