Vierspänner Marathon: Ijsbrand Chardon nicht zu bremsen

Ijsbrand Chardon schob sich mit toller Marathonfahrt auf Rang zwei der Einzelwertung vor (Archivfoto: FEI/Rinaldo de Craen)

Der Niederländer Ijsbrand Chardon schob sich mit der besten Marathonprüfung auf Rang zwei der Einzelwertung vor – und dies, obwohl in der Nacht zuvor sein Wagen schwer beschädigt worden war: ein unfassbarer Vorfall, wie er im Fahrsport wohl noch nie dagewesen ist.

Manchmal passieren auch im Sport die unglaublichsten Dinge. 45 Minuten lang warteten die Zuschauer im Kentucky Horse Park bei der Marathonfahrt der Vierspänner vergeblich am Samstagnachmittag auf den amtierenden Weltmeister Ijsbrand Chardon. Dann, als letzter Starter, ging der nach der Dressur gemeinsam mit Tucker Johnson auf Platz zwei rangierende Niederländer auf die Cross-Strecke mit ihren acht schön gestalteten Hindernissen. Was war geschehen? Wie aus dem niederländischen Fahrerlager zu hören war, soll der Wagen Chardons in der der Nacht schwer beschädigt worden sein, der Sitz soll aufgeschlitzt und sogar Bremsschläuche der Geländekutsche durchschnitten worden sein: ein nie dagewesener Vorfall. Die Reparatur der Schäden dauerte einige Zeit, weshalb Chardon erst als letzter Starter in die Prüfung ging. Über die Motive einer solchen Tat kann derzeit nur spekuliert werden – war es purer Vandalismus oder gar gezielte Sabotage gegen den amtierenden Weltmeister, um ihn aus dem Konzept zu bringen?

Chardon – der Mann mit eisernen Nerven

Wie auch immer: Selbst dieser unerhörte Vorfall konnte den Mann mit den eisernen Nerven nicht stoppen – ja, vielleicht hat ihn dies sogar zu einer Sonderleistung angespornt. Der Fahrer im orangefarbenen Oranje-Dress, dessen Ehefrau und Sohn als Grooms hinter ihm auf der Geländekutsche stehen, fuhr alle acht Hindernisse auf den kürzesten Wegen in unglaublicher Zeit und siegte im Marathon mit -96,27 Punkten vor dem mehrfachen, schwedischen Weltmeister Tomas Eriksson (-99,52), der sogar wertvolle Zeit im Hindernis 3 verloren hatte und dennoch 24 Starter lang die beste Zeit gefahren hatte. Der nach der Dressur führende Boyd Exell kam im Gelände trotz hervorragender Leistung nur auf Platz drei (-100,44), konnte sich damit aber auch im Zwischenstand der Kombinierten Wertung an der Spitze behaupten (-130,52), allerdings mit weniger als einen Hindernisfehler beim abschließenden Kegelfahren gegenüber Ijsbrand Chardon (-132,24). Vierter im Marathon wurde der Niederländer Koos de Ronde (-101,34) vor dem Schweizer Ex-Weltmeister Werner Ulrich (-103,67) und dem deutschen WM-Neuling Georg von Stein (-106,25).

Boyd Exell weiter voran

Der nach der Dressur auf Platz vier rangierende Tucker Johnson, der sich am Sonntag als aktiver Fahrer vom Sport verabschieden möchte, fuhr die Geländefahrt seines Lebens. Während die ersten beiden Hindernisse noch ein wenig verhalten wirkten, riskierte Johnsson von Hindernis zu Hindernis mehr, nahm die kürzesten Wege und steuerte sein Gespann fehlerfrei und schnell durch alle Hindernisse, um den Marathon auf Platz sieben zu beenden (--106,25). Weniger gut verlief es hingegen für Christoph Sandmann (10./-110) und Chester Weber (16./-123,95), die mit ihrem Marathonergebnis  deutlich abfielen.
In der Einzel-Zwischenwertung führt der Australier Boyd Exell (-130,52) vor dem Niederländer Chardon (-132,24) und dem  US-Amerikaner Tucker Johnson (-147,06). Bester Deutscher ist auf Platz sechs Christoph Sandmann (-151,18). Chester Weber ist auf Rang neun (-159,92) zurückgefallen. In der Teamwertung führt weiterhin die Niederlande (-273,77) vor den USA (-300,92) und Schweden (-311,24), das sich mit der Gelände-Leistung Erikssons auf Platz drei verbesserte. Noch Chance auf Team-Bronze haben außerdem Australien (-311,99) und Deutschland (-315,19).
Birgit Popp/Pferdplus

Zwischenstand nach Dressur und Marathon
Einzelwertung
1. Boyd Exell (AUS) – 130,52
2. Ijsbrand Chardon (NED) – 132,24
3. Tucker S. Johnson (USA) – 147,06
4. Theo Timmermann (NED) – 148,79
5. Tomas Erikssson (SWE) – 149,82
Mannschaftswertung
1. Niederlande – 273,77
2. USA – 300,92
3. Schweden – 311,24
4. Australien – 311,99
5. Deutschland – 315,29

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