Voltigieren Einzel: Titel für Eccles und Looser, Lisa Wild sensationell

Patric Looser holte sich mit einer starken Kür den ersten WM-Titel seiner Karriere (Foto: FEI/Kit Houghton)

Die Einzel-Entscheidungen im Voltigieren brachten manche Überraschungen – und für Österreich leider auch Enttäuschungen. Aus der erhofften Medaille ist nichts geworden – doch Lisa Wild hat die Fachwelt verzaubert: Sie wurde famose Sechste.

Das Kür-Einzelfinale der Damen war spannend und hochklassig – und letztlich entschieden nur Zehntelpunkte über die Medaillen. Die beste Kür des Abends zeigte die Favoritin Nummer eins, die aus Glasgow stammende Joanne Eccles, die als regierende Europameisterin nach Kentucky gekommen war, um sich nun den ganz großen Titel zu holen. Eccles hatte bereits nach der Pflicht die Führung übernommen, musste diese aber nach der ersten Kür an die Deutsche Simone Wiegele abgeben. In der Technik und nun auch im Kür-Finale stellte sie aber klar, dass sie derzeit die beste Voltigiererin der Welt ist: Sie turnte ein technisch höchst anspruchsvolles Programm sehr sicher und harmonisch und mit viel Ausdruck – sie erhielt dafür Note 8,553 und sicherte sich damit ihren ersten Weltmeistertitel.
Silber ging an die Deutsche Antje Hill, die eine turnerisch hochstehende Vorführung zeigte und vor allem mit Ausstrahlung und Ausdruckskraft zu punkten vermochte: Ihre vollauf gelungene Kür brachte Note 8,523 und unterm Strich die Silbermedaille. Auch Bronze ging an Deutschland – und zwar an Simone Wiegele, die ebenfalls eine gute Vorstellung zeigte, jedoch durch einen verpatzten Abgang einige Abzüge hinnehmen mußte. Dennoch ist es sich – knapp, aber doch – für Platz drei ausgegangen.

Höhen und Tiefen für Österreich

Nicht ganz zufrieden zeigte sich Österreichs bislang beste Voltigiererin in Kentucky, Christa Kristofics-Binder, mit ihrer heutigen Kür-Leistung, die durch einige Unsicherheiten und kleinen Fehlern beeinträchtigt war. Die Niederösterreicherin kam mit Wertnote 8,039 nur auf Rang neun in der Kür und fiel auch in der Endwertung auf Platz acht zurück. Mit einer achtbaren Vorstellung verabschiedete sich auch Stephanie Kowald von dieser WM – wenngleich ihr mit Note 7,134 in der heutigen Kür keine Verbesserung mehr gelang: Sie blieb 15. der Einzelwertung.
Die positive Überraschung des Tages lieferte ausgerechnet die jüngste Teilnehmerin, nämlich die Salzburgerin Lisa Wild: In ihrer enorm kreativen Kür ging sie volles Risiko, stellte einmal mehr ihr turnerisches Ausnahmekönnen unter Beweis und verblüffte, nein: beeindruckte die gesamte Fachwelt: Mit Note 8,234 zeigte sie die fünftbeste Kür des Tages und schob sich auch in der WM-Endwertung auf den sechsten Rang vor – sie ist ein Talent, um das uns die Voltigierwelt beneidet! Dass sie nach ihrem glanzvollen Finale überglücklich war, versteht sich von selbst...

Hochspannung bei den Herren

Während es bei den Damen mit Joanne Eccles eine durchaus erwartbare Weltmeisterin gab, konnte man dergleichen bei den Herren nicht sagen: Hier ging der Titel an den Schweizer Patric Looser, dem man allenfalls Außenseiter-Chancen eingeräumt hätte und für den dies der erste große internationale Titel ist. Er hat ihn sich jedoch redlich verdient – zeigte über das gesamte Championat hinweg gleichmäßig gute Leistungen und auch die drittbeste Kür des Finaltages (Note 8,473). Looser brach nach Bekanntwerden der Note in Tränen aus – ein Glücksmoment, der den 26-jährigen Sportwissenschaftler, der 2007 in Kaposvar EM-Bronze gewann, schlichtweg überwältigte.
Dass er ausgerechnet seinen Stallkollegen und Trainingspartner Kai Vorberg die so sehr erhoffte dritte Goldmedaille wegschnappte, ist bittere Ironie – doch im Sport passiert so etwas einfach. Dem zweifachen Weltmeister – der wohl schon in der Pflicht seinen Titel verspielte – half auch die beste Kür des Abends (Wertnote 8,559) nicht mehr: Es wurde Silber. Mit nur neun Tausendstel (!) Punkten Rückstand ging die Bronzemedaille an den Europameister 2009, Nicolas Andreani aus Frankreich, der die zweitbeste Kür des Tages (Note 8,499) in die Arena zauberte und über seinen Erfolg sichtlich glücklich war.
Das konnte man vom einzigen Österreicher im Herren-Feld leider nicht behaupten: Stefan Csandl, vor dem Kür-Finale an vierter Stelle gelegen, mußte in seiner Vorführung gleich zweimal vom Pferd und entsprechend hohe Abzüge hinnehmen: Er kam in der Kür nur auf Note 7,572 und fiel auch im Endklassement auf Rang sieben zurück. Schade!

An der bemerkenswerten Gesamtleistung der österreichischen Einzelvoltigierer ändert dies freilich nichts – und wer weiß, vielleicht legen morgen die Voltigierer aus Pill in der Gruppenwertung noch was drauf. Wir drücken jedenfalls kräftig die Daumen!

Endergebnis
Einzelvoltigieren Damen
1. Joanne Eccles (GBR) mit Bentley (Longenführer John Eccles) – 8,413
2. Antje Hill (GER) mit Airbus (Irina Lenkeit) – 8,322
3. Simone Wiegele (GER) mit Arkansas (Jessica Schmitz) – 8,281
6. Lisa Wild (AUT) mit Robin 482 (Nina Rossin) – 8,138
8. Christa Kristofics-Binder (AUT) mit Alonso (Fritz Schandl) – 8,044
15. Stefanie Kowald (AUT) mit Cool Waters (Michael Tiefenbacher) – 7,560
Einzelvoltigieren Herren
1. Patric Looser (SUI) Record RS von der Wintermühle (Alexandra Knauf) – 8,498
2. Kai Vorberg (GER) mit Sir Bernhard RS von der Wintermühle (Kirsten Graf) – 8,463
3. Nicolas Andreani (FRA) mit Idefix de Braize (Marina Joosten Dupon) – 8,452
6. Stefan Csandl (AUT) mit Power Rush (Michaela Scherzer) – 7,918

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