Von Kärnten nach Dänemark: Working Holidays beim Olympiareiter

Für Tanja Arzberger wurde in Dänemark ein Traum wahr. Foto: privat

Die 28-jährige Tanja Arzberger hatte plötzlich die verrückte Idee, anstelle eines Strandurlaubes in Italien irgendwo in einem Dressurstall Boxen auszumisten und Pferde zu putzen. Und wie das Leben so spielt, ist ihr Traum wahr geworden – im Dressurstall des dänischen Olympiareiters Morten Thomsen.
 
Anfang des Jahres wusste ich, dass ich meinen Urlaub nicht, wie fast jedes Jahr, in Italien am Strand verbringen, sondern mit meiner größten Leidenschaft – den Pferden – verbinden wollte: Es war mir einfach nach etwas Anderem, vielleicht auch nach ein wenig Abenteuer zumute. Ich würde einfach nach Deutschland oder sonst wohin gehen, um in einem großen Stall zu arbeiten (anstatt wie jedes Jahr in Italien am Strand zu liegen). So stellte ich mir das vor.

Dressurlektionen bei Olympiareiter Morten Thomasen – wer hat das schon? Foto: privat Natürlich waren die ersten Reaktionen auf diese Idee in meinem Bekanntenkreis wenig erbaulich: a) niemand würde mich für nur zwei Wochen nehmen wollen und b) selbst wenn ich etwas finden sollte, es würde wohl kaum das sein, wovon ich träumte: ein schicker Dressurstall, in dem ich gleichzeitig auch noch was lernen könnte (immerhin bin ich dabei, meinen jungen Haflinger auf Turnieren bestmöglich vorzustellen). Ich durchforstete das  (ganze!) Internet – leider schien es wirklich nichts zu geben, was meinen Vorstellungen entsprach (darf man überhaupt Vorstellungen haben, wenn man bloß Ställe ausmisten will?).

Die Anlage ,Dressage Arvé' ist ein wahres Paradies für Pferde & Reiter. Foto: privat Also gab ich mein Vorhaben schließlich auf (ja ich würde glücklich sein – so ganz allein im Urlaub…). Bis ich einen Post von Eiren Crawford aus dem dänischen Dressurstall Dressage Arvé, der Heimat des Olympiareiters Morten Thomsen (DAS war doch mal ein Argument für einen Ausmisterposten!), auf Facebook sah: sie suchte eine Aushilfe über den Sommer. Ich dachte mir nichts dabei und schrieb sie an (wohlgemerkt: dieser Job war auf einer kanadischen Plattform ausgeschrieben, meine Chancen schienen mir von vornherein schwindend gering). In meiner Mail erwähnte ich gleich, ich könne für höchstens zwei Wochen und damit war für mich klar: das wird nichts! Aber: glücklicherweise (für mich) gab es Probleme mit den Visas der kanadischen Bewerber, sodass Eiren froh war, dass ich zumindest die zwei Wochen überbrücken konnte. Ich kann gar nicht sagen, wie mich meine Arbeitskollegen angeschaut haben, als ich ihnen erzählte, dass ich in zwei Wochen nach Dänemark gehen würde, um Ställe ausmisten. Gebetsmühlenartig versuchte ich es zu „entschuldigen“, in dem ich jedem sagte: “ABER er ist doch Olympiareiter!“. Zugegebenermaßen: „Reiten“ war mit keinem Wort in der Jobbeschreibung erwähnt. Ich dachte, es würde doch auch reichen, ihnen zuzuschauen. Meine reitenden Freunde schafften es aber, meine Vorfreude zu dämpfen: was würde ich dort sehen? Wenig artgerechte Haltungsbedingungen? Trainingsmethoden, die ich lieber nicht sehen wollte? Ok, ich stellte mich auf das Schlimmste ein…aber war das wirklich eine gute Idee? Italien war noch da, ich könnte mich immer noch anders entscheiden…

Für das Training steht eine wunderschöne, helle Top-Reithalle zur Verfügung. Foto: privat Frei nach dem Motto ,Kneifen gibt’s nicht’ brach ich am 19. Mai nach Billund (zu dem Zeitpunkt wusste ich nicht einmal, wo genau das liegt) auf, nicht wissend, was mich 1.500 km von zuhause entfernt erwarten würde. Im schlimmsten Fall würde ich mich einfach in einen Zug nach Hause setzen. Alles was ich kannte, war die Website und ein paar Trainingsvideos von Morten und seinen Schülern. Und dann war ich endlich da und konnte meinen Augen nicht trauen (Fotos auf der Website könnten ja täuschen): der Stall kann eigentlich nicht als solches bezeichnet werden (es ist dort sauberer als in meiner Wohnung, wenn ich wiedermal ein Wochenende am Turnier verbringe), die Pferde (und zwar alle!) kommen auf grüne Wiesen (riesige Wiesen!), es gibt Paddockboxen, jede Box hat ein Fenster… Haltungsbedingungen, die ich für derart wertvolle Pferde nicht erwarten hätte, sind dort selbst für die Kracher im Stall eine Selbstverständlichkeit! Und auch meine Arbeit war weitaus „angenehmer“ als gedacht: ein paar Boxen ausmisten, dann kehren (so oft wie noch nie in meinem Leben!), Pferde auf die Koppeln führen, putzen, satteln, füttern, Schritt reiten (und da waren dann schon alle Strapazen vergessen!). Aber es sollte noch besser werden: ich hatte sogar die Möglichkeit, mit Eiren und Morten zu trainieren (nun kann ich zumindest behaupten, bei einem Olympiareiter geritten zu sein, auch wenn ich es selber Olympia maximal von der Zuschauertribüne aus erleben werde). Dabei war Morten so geduldig und unkompliziert (schaffte ich sein nächstes Pferd nicht rechtzeitig fertig zu machen, übernahm er dies ohne Anstalten zu machen). Morten hat mir aber nicht nur wertvolle Reittipps gegeben, mehr noch, er zeigte mir zirzensische Lektionen ebenso wie Elemente aus dem Horsemanship, die bei ihm zur Standardausbildung eines jeden Pferdes gehören. Natürlich mussten die Pferde hart arbeiten, alle streben eine Zukunft als Grand Prix – Pferd an, insgesamt aber war der Umgang mit den Pferden sehr fair und freundlich.

Ich hab in den zwei Wochen so viel gelernt, und es fiel mir sehr schwer, wieder nach Hause zu fahren. Ohne Nachzudenken würde ich auch nächstes Jahr wieder zwei Wochen Urlaub „opfern“. Ich kann nur jedem empfehlen, vielleicht auch einmal so eine Chance zu ergreifen, wenn sie sich einem bietet. Bleibt mir nur, mich nochmals bei Eiren, Morten und Sarah zu bedanken, mir die Chance gegeben zu haben, Make up, High Heels und Etuikleid für ein paar Tage gegen Stallgeruch, Schweiß und viele tolle Erfahrungen einzutauschen!
Tanja Arzberger

„Wenn du tust, was du immer gemacht hast, wirst du bekommen, was du immer bekommen hast."
Tony Robbins

Auch ein kleines Video mit vielen Eindrücken ihrer unvergesslichen ,Working holidays' hat Tanja gemacht ....

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