WEG Kentucky: Philippe Le Jeune ist neuer Weltmeister im Springreiten
Der Belgier Philippe Le Jeune holte nach Bronze mit der Mannschaft nun die Goldmedaille in der Einzelwertung der Springreiter. Silber ging an Abdullah Al Sharbatly, Bronze an Eric Lamaze – Rodrigo Pessoa ging leer aus.
In einem hochdramatischen Finale der besten Vier machte der letzte Reiter im letzten Umlauf alles klar: Philippe hatte sich durch drei vorangegangene Nullrunden ein Sicherheitspolster auf seine Konkurrenten geschaffen, das er am Ende doch nicht beanspruchte – denn er ritt auch seine vierte Runde auf Hickstead von Eric Lamaze souverän und fehlerlos nach Hause. Seinen ersten großen internatinonalen Titel erritt sich der 50-jährige Springreiter in wahrhaft weltmeisterlicher Manier: Als einziger der vier Finalreiter blieb er in allen Runden ohne Abwurf und Zeitfehler – auf seinem Punktekonto stand somit am Ende eine glatte Null.
Der Saudi-Arabier Abdullah Al Sharbatly – dessen Einzug ins Top Four-Finale bereits eine Überraschung war – sorgte nach vier Umläufen gleich für die nächste: Mit 8 Fehlerpunkten aus zwei Abwürfen – die ausgerechnet mit der eigenen Stute Seldana di Campalto passierten – eroberte der 27-jährige die Silbermedaille und damit ebenfalls den größten Erfolg seiner noch jungen Karriere.
Bronze ging an Eric Lamaze, dem – nach seinem Olympiasieg 2008 in Hongkong – das begehrte Double, also auch noch den WM-Titel zu gewinnen, verwehrt blieb. Mit zwei Abwürfen und einem Zeitfehler, somit insgesamt neun Fehlerpunkten auf seinem Konto, eroberte der 42-jährige Kanadier die Bronzemedaille.
Ausgerechnet jener Reiter, dem man vor dem Finale wohl die größten Titelchancen eingeräumt hatte – Rodrigo Pessoa – ging beim Showdown in Kentucky leer aus. Der Weltmeister von 1998 und dreifacher Weltcupsieger hatte es als vorletzter Reiter auf der Hand, eine Medaille zu erobern. Bis zum letzten Ritt nur mit vier Fehlerpunkten belastet, hatte es Pessoa in der Hand, sich mit einer Nullrunde an die Spitze des Klassements zu setzen – und den Druck auf Schlussreiter Le Jeune nochmals zu erhöhen. Mit nur einem Abwurf hätte es immer noch zu Silber gereicht – am Ende ist es aber doch nur Blech geworden. Denn Vigo d'Arsouilles, der Hengst von Philippe Le Jeune, warf zweimal – und aus war der Traum von einer WM-Medaille für den 37-jährigen Brasilianer.
Von Emotionen überwältigt bedankte sich Philippe Le Jeune – ganz Horseman – mit einer besonders innigen und herzlichen Umgarmung bei seinem Hengst Vigo D'Arsouilles, der ihn so glanzvoll durch diese WM begleitet hatte: eine sympathische Geste, die den Belgier als Pferdemann durch und durch auszeichnet. Und auch seine Reiterkollegen gönnten dem seit drei Jahrzehnten im Springzirkus mireitenden Le Jeune diesen Erfolg von ganzem Herzen. Auch wenn das Finale mit Pferdewechsel durchaus umstritten ist und wohl auch nach Kentucky bleiben wird – es hat, wieder einmal, den richtigen Weltmeister hervorgebracht...
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