Weltcup-Siegerin Lisa Wild: „Ich dachte, ich hab’ überhaupt kein Leiberl“

Lisa Wild bei den World Equestrian Games in Kentucky. Foto: Julia Rau

Wir haben Österreichs Voltigier-Star Lisa Wild nach ihrem ersten Weltcup-Sieg bei den Munich Indoors zum Interview gebeten: Wie die 16-jährige Salzburgerin ihren großen Triumph selbst erlebt hat und wie die weiteren sportlichen Ziele ausschauen, verriet sie Pferdplus-Autorin Daniela Penz.

Pferdplus: Gleich vorweg herzliche Gratulation zu deinem tollen Erfolg in München – ein Weltcupsieg ist schon etwas Besonderes. Hast du mit dem Sieg gerechnet?

Lisa Wild: Danke, ich freue mich auch total. Nein, gerechnet habe ich mit dem Sieg überhaupt nicht, im Gegenteil. Als ich mir das Starterfeld angeschaut habe – eine Anna Cavallaro (Italienische Meisterin), eine Sarah Kay (Vize-Europameisterin) und dann noch die beeindruckend akrobatische Schweizerin Simone Jaiser, dachte ich nur: Oh Gott, da hab ich ja überhaupt kein Leiberl! Aber als ich nach dem ersten Umlauf in Führung lag, fasste ich Mut.

Pferdplus: Als du im Finale als Führende einlaufen musstest – war da die Aufregung sehr groß bei Dir?

Lisa Wild: Oh ja! Beim ersten Start in der riesigen Halle machte sich schon ein mulmiges Gefühl bemerkbar. Ich wusste nicht, ob mein Pferd brav läuft – oder ob es die Atmosphäre in der Halle blöd findet. Aber ab dem Zeitpunkt, an dem ich mit meinem Team in den Zirkel einlief, war alles wie weggeblasen und ich war ganz konzentriert. Das ist meistens so bei mir. Im Finale war ich dann sehr sicher – ich hatte ein gutes Gefühl und wusste: Die Kür läuft.

Pferdplus: Deine Trainerin Marissa Jöbstl meinte, ihr habt das Kürprogramm etwas „abgespeckt“ – also leichter gemacht – wovon wir allerdings nicht soviel bemerkt haben. Wieso diese Vorsicht? 

Lisa Wild: Da ich auch schon beim Weltcup Beginn in Kiel auf einem fremden Pferd starten musste und nur direkt vor Wettkampfbeginn kurz die Galoppade „testen“ konnte, haben wir uns dafür entschieden, nur Elemente in die Kür zu nehmen, die 100%ig funktionieren. Dass ich mit dieser vereinfachten (lacht) Kürversion trotzdem in Kiel Zweite wurde, hat mich selbst überrascht. Also blieben wir bei der Entscheidung, weiterhin auf „Nummer-Sicher“ zu gehen.

Pferdplus: Ein Bonuspunkt war wohl dein Pferd Robin – der lief ruhig und brav seine Runden. Aber Du hast offenbar auch mit anderen Pferden keine Probleme, wie man in Kiel mit dem geliehenen Pferd Rossini RS vd Wintermühle gesehen hat. Welchen Unterschied macht das für Dich?

Lisa Wild: Natürlich ist es immer ein besseres Gefühl, mit dem eigenen Pferd und dem eigenen Longenführer einzulaufen. Ein gewisser Zweifel ist immer da, wenn ich auf einem fremden Pferd starte – ich hoffe dann auf einen unkomplizierten Gang. Aber meistens, wenn ich einmal kurz „drauf hupf“, also geturnt habe und merke, dass dieses Pferd ja auch „nur“ galoppiert, hab ich gleich wieder ein gutes Gefühl. 



Pferdplus: Die nächste Station ist der Heimweltcup in Salzburg bei den Pappas Amadeus Horse Indoors. Auf welchem Pferd wirst du starten und was hast du dir zum Ziel gesetzt?

Lisa Wild: Ich werde dort wieder mit Robin starten. Salzburg wird besonders spannend – denn dort wird auch Joanne Eccles (amtierende Welt- und Europameisterin, Anm.) am Start sein. Mein Ziel ist es, unter die ersten Drei zu kommen.

Pferdplus: Planst du die volle Weltcupsaison mitzumachen?

Lisa Wild: Eigentlich schon. Nur der Weltcup in Paris ist für mich wegen der hohen Kosten noch ein Fragezeichen.

Pferdplus: Und welche Ziele hast du für die kommende WM-Saison 2012?

Lisa Wild: Erstmal die WM Qualifikation zu schaffen. Sollte das klappen, dann bin ich zufrieden, wenn ich vier gute Durchgänge turnen kann. 

Pferdplus: Wir wünschen Dir alles Gute und viel Glück auf diesem Weg – und Toi Toi Toi für den Weltcup! Danke für das Gespräch.


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