Wie blutig darf der Dressursport sein? FEI am Scheideweg

Der Stein des Anstosses – das blutige Maul von Parzvial in Kentucky. Foto: Julia Rau

Wie ist zu reagieren, wenn bei einem Dressurpferd Blut im Maul festgestellt wird? Bei der bevorstehenden FEI Generalversammlung sollen neue Regeln beschlossen werden, die diese Frage klarer als bisher regeln. Zwei sehr unterschiedliche Standpunkte prallen dabei aufeinander – der Ausgang der Diskussion ist offen.

Die Delegierten bei der bevorstehenden FEI-Generalversammlung in Rio de Janeiro (11.–14. November) werden eine für den Dressursport zweifellos folgenreiche Entscheidung treffen. Was tun mit einem Pferd, das bei einem Dressurturnier Blut im Maul bzw. an einer anderen Stelle des Körpers hat? Führt ein blutiges Pferdemaul obligatorisch und ohne Ausnahme zur Disqualifikation des Paares – oder soll ein Tierarzt nach näherer Begutachtung entscheiden, ob das Pferd nicht doch noch weiterreiten darf, weil die Verletzung nur geringgradig ist? Es geht – zugespitzt formuliert – um die Frage, ob Blut im Dressursport definitiv und unmißverständlich nichts verloren hat, oder ob man es zulässt, dass ein Tierarzt dies von Fall zu Fall entscheiden kann.

Europas führendes Dressurportal Eurodressage hat in einem aktuellen Beitrag diese Diskussion – die seit Monaten in den internationalen Dressurgremien und -vereinigungen tobt – publik gemacht. Entzündet hatte sie sich am Ausschluss von Adelinde Cornelissen während der World Equestrian Games in Kentucky: Die Niederländerin war im Grand Prix von Richter Stephen Clarke abgeläutet worden, nachdem deutlich sichtbar Blutspuren am Maul von Parzival festgestellt wurden. Dies war u. a. vom niederländischen Bundestrainer Sjef Janssen kritisiert worden – auch mit dem Hinweis, dass die FEI-Regeln einen Ausschluss in einem solchen Fall nicht zwingend vorschreiben. Tatsächlich sind die bislang geltenden Bestimmungen nicht sonderlich präzise: Dass ein Pferd mit Blut im Maul kategorisch zu disqualifizieren sei, wird so nicht gesagt. Stephen Clarke konnte sich bei seiner Entscheidung jedoch auf den Artikel 430.7.6 der Allgemeinen Bestimmungen berufen, der eine Disqualifikation dann erlaubt, wenn die Fortsetzung des Ritts dem „Wohl des Pferdes“ zuwiderläuft. Auch FEI Dressur-Direktor Trond Asmyr gab zu, dass es keine spezifische Erwähnung des Tatbestands ,Blut im Pferdemaul‘ gibt – dass aber sehr wohl die Ground Jury ermächtigt wird, in einem solchen Fall so zu entscheiden: „Wir haben klare Regeln, um das Pferd zu schützen – und Pferde mit Blut im Maul auszuschließen ist eine aus guten Gründen etablierte Praxis", so Asmyr.

Dennoch wollten dies nicht alle so hinnehmen. Nach dem Eklat von Kentucky trat der Internationale Dressurtrainer Club (IDTC) mit einem Vorschlag an die Öffentlichkeit, der später nahezu wörtlich vom FEI Dressurkomitee übernommen und an die nationalen Verbände ausgeschickt wurde. Der Vorschlag lautet sinngemäß: Wenn auf internationalen Top-Turnieren (Olympische Spiele, internationale Championate und Finalbewerben) Blut im Maul von Pferden festgestellt wird, dann sollen diese Pferde am Abreiteplatz von den anwesenden FEI Tierärzten untersucht werden. Die Pferde können die Prüfung dann fortsetzen, wenn die Blutung von geringgradigen Verletzungen stammt und zum Stillstand gebracht werden konnte. Wenn die Blutung nicht gestillt werden kann, ist das Pferd zu disqualifizieren. Sollten keine FEI Tierärzte anwesend sein, um das Pferd zu untersuchen, führt Blut im Pferdemaul zur Disqualifikation.

Der Vorschlag sorgte umgehend für Empörung. Der Internationale Dressurreiter-Club (IDRC), die Internationale Dressurrichter-Vereinigung (IDOC) und auch die Vereinigung der internationalen Dressurturnier-Veranstalter (AIDEO) richteten gemeinsam einen eindringlichen Appell an FEI Dressur-Direktor Trond Asmyr und den Vorsitzenden des Dressurkomitees Frank Kemperman, um die FEI doch noch zu einem Umdenken zu bewegen. Für sie hat das Wohl des Pferdes absolute Priorität und Vorrang gegenüber allen anderen Aspekten. Ihr Vorschlag lautet: „Wenn Blut an irgendeiner Stelle des Pferdes während eines Bewerbs festgestellt wird, ist das Pferd vom Richter bei C abzuläuten, zu disqualifizieren und muss das Viereck verlassen. Ungeachtet des Umstandes, ob das Blut tatsächlich auf eine Mißhandlung zurückzuführen ist oder nicht, deutet es auf ein Problem hin, dem nachgegangen werden muss. Gegen die Entscheidung des Richters bei C ist keine Berufung möglich.

Sollte Blut von einem Steward nach Beendigung der Prüfung festgestellt werden, sollte der Reiter nicht disqualifiziert werden. Es sollte jedoch der zuständige Turniertierarzt verständigt und die Fitness des Pferdes für die weitere Teillnahme überprüft werden.
Sollte Blut vor einem Bewerb festgestellt werden, die Blutung jedoch vor dem Beginn des Bewerbs wieder aufgehört haben, soll dem Paar der Start in der Prüfung erlaubt werden, sofern der Turniertierarzt oder der Steward es als fit für die Teilnahme befinden. Der Reiter muss jedoch seine vorgegebene Startzeit einhalten.“

Mittlerweile gibt es auch eine Website, auf der man eine Online-Petition gegen die geplante Aufweichung der „Blut-Regel“ durch die FEI unterstützen kann. Auch Eurodressage kämpft für die Beibehaltung der strengen ,No-blood‘-Praxis und unterstützt den Vorschlag des IDRC. Man wird sehen, wie die FEI im November entscheiden wird….

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Blut im Pferdemaul

Ich kann nur all jene unterstützen die ein "verletztes" Pferd nicht im Sport weiter einsetzen. Wo schlussendlich eine Blutung herkommt ist dabei nicht von Relevanz. Es würde ja wohl hoffentlich niemals jemand auf die Idee kommen ein Pferd mit einer sich nicht stillend lassenden ersichtlichen Wunde zu reiten.

Außerdem könnte man dann mal gleich die Gebisszulässigkeiten auch überprüfen. Denn eigentlich soltlen alle außer einer Wassertrense sowieso verboten werden.

Viele Tiere und gerade Pferde sind durch das Zuchtverhalten den Menschen in dessen Abhängigkeit geraten. Also sollten wir auch tunlichst nichts unternehmen, was ihnen noch mehr Schmerzen zufügt.