Zum Nacherleben: Die Legende des wahren Secretariat
Er war zweifellos ein Wunder auf vier Beinen – und für viele war und ist er schlicht das beste Rennpferd, das die Welt jemals gesehen hat: der grandiose Secretariat. Hier die unglaubliche Karriere dieses einzigartigen Pferdes zum Nachlesen und Nacherleben – mit zwei sehenswerten Videos!
Secretariat gewann 1973 in einzigartiger Manier die Krone des US-Turfsports, die Triple Crown – also in einem Jahr das Kentucky Derby, die Preakness Stakes und die Belmont Stakes. Die Popularität, die Secretariat dadurch in den USA erreichte, läßt sich heute kaum noch ermessen. Als die Vereinigten Staaten 1973 – von Vietnam-Krieg und Watergate-Skandal erschüttert und an sich selbst zweifelnd – nichts so sehr herbeisehnten wie einen wahren, aufrichtigen Helden, war nicht ein Mensch dieser Held, sondern ein Pferd – Secretariat. Er war ein Medien-Ereignis und nationaler Superstar, der es sogar auf die Titelseiten von Newsweek und Time Magazine geschafft hat.
Eine Legende wird geboren
Secretariat, ein Sohn von Bold Ruler, kam 1970 auf den Meadow Farms Stables in Doswell/Virginia zur Welt. Schon als Zweijähriger galt er als Ausnahmekönner, er absolvierte eine fabelhafte Saison mit fünf Siegen und wurde zum ,Pferd des Jahres' gekürt. Gespannt warteten die Turf-Experten nun darauf, was der imposante Fuchs, der von Trainer Lucien Laurin betreut und von Jockey Ron Turcotte geritten wurde, als Dreijähriger zeigen würde. In der Tat hatte sich Secretariat prächtig entwickelt, er war ein Modellathlet, groß und kräftig – und sein Spitzname „Big Red“ verwies auf ein Pferd, das bis dahin als das größte Rennpferd aller Zeiten gegolten hatte: Man O’War.
Secretariats Run in die Unsterblichkeit begann beim ersten Saisonhöhepunkt, dem Kentucky-Derby 1973, in dem sich das vierbeinige Kraftpaket lange zurückhielt, im Rennverlauf aber unwiderstehlich nach vor kam und nach einem großen Duell mit seinem Herausforderer Sham auf der Schlussgeraden energisch davonzog. Sein dabei erzielter Streckenrekord von 1,59,40 wurde von keinem Pferd mehr erreicht und ist bis heute gültig. Während Pferde im Rennverlauf üblicherweise immer langsamer werden, schaffte Secretariat das Kunststück, jede Viertelmeile schneller als die vorige zu laufen – wie Analysen nach dem Rennen ergeben haben.
Das beste Pferd aller Zeiten?
Wohl noch eindrucksvoller verliefen die Preakness Stakes, die zweite Station der Triple Crown. Wieder war es Sham, der als einziger in der Lage war, Secretariat Paroli zu bieten – der aber schließlich mit zweieinhalb Längen Rückstand auf Secretariat nur Platz zwei holen konnte. Nach verhaltenem Start lag Secretariat nur an letzter Stelle des sechsköpfigen Feldes – doch wie er das gesamte Feld im ersten Bogen von hinten aufrollte und in der ungünstigen Außenposition mit unwiderstehlichem Speed stehenließ, ist bis heute atemberaubend. Kein Wunder, dass die Lobeshymnen nach dem Rennen immer lauter wurden und Charles Hatton – Veteran unter den Turf-Reportern, der noch den legendären Man o' War miterlebt hatte – Secretariat als das beste Pferd bezeichnete, dass er je gesehen habe. Und wäre die Zeitnehmung nicht während des Rennens ausgefallen, so würde Secretariat wohl auch hier den Streckenrekord halten.
Das Wunder vom Belmont Park
Man mag sich vorstellen, mit welchen Erwartungen Secretariats Antreten bei den Belmont Stakes, der dritten Station der Triple Crown, entgegengefiebert wurde. Die ganze Nation – nicht nur die Turf-Fans – saßen vor den Fernsehschirmen, und Secretariat enttäuschte sie nicht. Nur vier Konkurrenten traten gegen „The Big Red“ an – und diesmal ließ Jockey Ron Turcotte seinem Pferd freien Lauf: Bereits kurz nach dem Start kam Secretariat kraftvoll nach vorne und zog nach kurzem Zweikampf mit Sham unaufhaltsam davon. Keiner konnte glauben, was sich auf dem Track abspielte – Secretariat schrieb Geschichte und bot eine der großartigsten sportlichen Leistungen aller Zeiten, er gewann mit 31 Längen Vorsprung und vollendete seinen Mythos. Seine Zeit von 2,24,00 Sekunden über die anderthalb Meilen (2,4 km) sind nicht nur Streckenrekord, sondern nach wie vor Weltrekord über diese Distanz, nie zuvor und nie wieder nachher konnte ein Pferd diese Strecke schneller laufen. Auch sein Vorsprung von 31 Längen ist nach wie vor Rekord in Belmont Park.
Nach weiteren eindrucksvollen Siegen wurde Secretariat nach der Saison 1973 aus dem Sport verabschiedet und in die Zucht genommen, wo er einige exzellente Pferde hervorbrachte. Nach einer schweren Hufrehe musste Secretariat am 4. Oktober 1989 eingeschläfert werden. Er wurde auf der Claiborne Farm in Kentucky beerdigt. Eine zuvor durchgeführte Autopsie an der Universität von Kentucky förderte ein erstaunliches Detail zutage – Secretariat hatte ein überdurchschnittlich großes Herz, das ihn wohl zu solch außerordentlichen Leistungen befähigte: Während das Herz eines normal großen Pferdes ca. 3,2 kg wiegt, wog jenes von Secretariat 9,6 kg. Auch darin war er einzigartig.
Auf Youtube gibt es zahllose Videos und auch viele Rennmitschnitte von Secretariat zu sehen – diese zwei Clips mit zahlreichen Interviews haben uns dabei besonders gefallen und lassen sehr gut erahnen, wieso Secretariat zu seiner Zeit die Menschen so beeindruckt und verzaubert hat. Schauen Sie mal rein!
Teil 1
Und hier Teil 2:
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